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Ringvorlesung: Barack Obama und die neuen USA. Obama and the Political Legacies of the Civil Rights Movement

12. Mai 2010

It takes a president to get it done

Im Rahmen der Vorlesungsreihe „Barack Obama und die ,neuen‘ USA“  hielt am Mittwochabend der Amerikaner Steve Estes vom History Department der Sonoma State University im Erfurter Rat­haus die vierte Ringvorlesung über Obama und das politische Erbe der amerikani­schen Bürgerrechtsbewegung. Der dyna­misch wirkende Estes, der derzeit Gastprofessor am historischen Institut der Universität Erfurt ist, schaffte es im Fest­saal mit sympathischer Gestik und perfekt pointierten Scherzen ein diffiziles Thema mit munterer Atmosphäre zu verbinden. Estes gab mit seinem Vortrag einen Über­blick über die Wahlrechtssituation in den USA und erklärte, dass vor 150 Jahren in den meis­ten Teilen des Landes politische Partizipation für Afro-Amerikaner ausge­schlossen war. Das 20.Jahrhunderte nä­herte sich schon seinem Ende bevor dieses elementare demokratische Recht einiger­maßen durchgesetzt werden konnte. Tat­sächlich war Obama erst der fünfte afro-amerikanische Senator in der amerikanischen Geschichte.  So gilt es als Meilenstein, dass der Sohn einer weißen Amerikanerin und eines Kenianers der 44. Präsident der USA wurde. Obama, der zunächst nicht als Politiker sondern als Aktivist während seiner pot-smoking-days der Collegezeit begann, profitierte im Wahlkampf von Sympathien der afro-amerikanischen Wählerschaft u.a. aber auch von einem Fettnäpfchen, in das seine ärgste Konkurrentin Hillary Clinton trat, so der leger gekleidete Estes: Als Hillary Clinton den ehemaligen Präsidenten Johnson, einen weißen Texaner, für seinen Einsatz für die Bürgerrechte lobte, schloss sie mit der Aussage it took a president to get it done und erwähnte nicht die Mühen von Dr. Martin Luther King und anderen Afro-Amerikanern. Dies veranlasste viele Afro-Amerikaner für Obama zu stimmen. Estes erklärte, dass auch Bill Clinton 1992 unter anderem dank starker Afro-amerikanischer Unterstützung die Präsi­dentenwahl gewann. Dies gehe auf die präsidentielle Kandidatur des demokratischen Afro-Amerikaners Jesse Jackson in den Jahren 1984 und 1988 zu­rück, durch welche erstmals der Beweis einer stärkeren afro-amerikanischen Parti­zipationsmöglichkeit in der Politik erb­racht wurde. Doch obwohl Obamas Unter­stützer sowohl in den nördlichen und süd­lichen Staaten, bei Reichen, Armen, Weißen und Afro-Amerikanern zu finden seien, müsse Obama vorsichtig sein, nicht nur als Verfechter der Afro-Amerikaner zu erscheinen. Obama wolle der Präsident aller Amerikaner sein und von der Gesundheitsvorsorge bis hin zur besseren Schulbildung Fortschritte erzielen; dafür brauche es laut Estes tatsächlich einen Präsidenten to get it done. Allerdings bedeute das neue Einwanderungsgesetz in Arizona, durch welches die Polizei nur auf bloßem Verdacht Menschen festneh­men und die Papiere überprüfen kann, ei­nen massiven Rückschritt bei den Bürger­rechten. Estes Einschätzung ist, dass es unter Obama zwar zu Fortschritten bei den Bürgerrechten kommt, allerdings wohl langsamer als gedacht, zumal es momen­tan keine Bewegung mehr gibt. Dennoch sei eine Stimme für Obama auch immer eine Stimme für die Bürgerrechtsbewe­gung; gerade in einem Land wie den USA, in dem die ethnische Gruppenzugehörig­keit noch heute eine große Rolle spielt.

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