Vokabeln Sommersemester 2009 Cours de Société et…
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Zur Europawahl: Nationalstaatlichkeit und seine Überwindung
Nachtrag zur Europawahl vom 07.06.2009
Der starke Rechtsruck ist beängstigend. Niederlande, Österreich, aber auch Deutschland haben sich verschoben. Nationales Gedankengut und Nationalstaatlichkeit finden immer stärkeren Anklang unter den Menschen. Im Erfurter Landtag wurde ein Mitglied der NPD gewählt, in Sachsen und weiteren Bundesländern ebenso.
Das die Menschen heutzutage wieder so stark eine so gefährliche Richtung einschlagen ist tragisch und traurig. Es stellt sich die Frage nach dem warum? Warum eine solch niedrige Wahlbeteilung? Warum diese Ablehnung gegenüber dem europäischen Gedanken?
Sicherlich sind einige enttäuscht, haben sich mehr erhofft, sind geschockt durch die Brüsseller Bürokratie. Allerdings haben wir noch gar nicht wirklich Europa kennengelernt. Die Wahl zeigt sehr deutlich, dass wir den nationalstaatlichen Gedanken niemals hinter uns gelassen haben und bei der Mehrheit nie eine Identifikation mit der Europäischen Union zustande kam. Was wollen wir also kritisieren, wenn wir nichts wissen und kennen?
Am Tag darauf hat die Österreichische Philosophin Isolde Charim die Problematik sehr gut auf den Punkt gebracht:
Wir brauchen eben viel mehr Europa. Es muss viel stärker das europäische Bewusstsein und der Gedanke an ein zusammenarbeitendes Europa entwickelt werden. Die Menschen haben bisher nie ein postnationalstaatliches Bewusstsein entwickelt, sind kaum über ihre Landesgrenzen, die den sicherein einheitlichen Raum so tadellos abgrenzen, hinausgekommen von ihrer Denke. Wir verkriechen uns innerhalb der Grenzen und kritisieren und jammern, anstatt wirklich zu erkennen für was Europa eigentlich steht. Nämlich für Gemeinsamkeit, für Entwicklung, für Fortschritt. Die Europäische Union ist der erste nicht militärische Zusammenschloss, der auf wahrem friedlichen Gedanken beruht und der die Entwicklung der zugehörigen Länder primär verfolgt. Wirtschaftlich nicht so starke Staaten profitieren enorm davon, aber auch die großen wie Deutschland, Frankreich und England durch einfacheren Handel. Das Ironische dabei ist, dass gerade die Länder die viel profitieren, die Europäische Union ablehnen, wie einige osteuropäische Staaten, aber auch Österreich beispielsweise.
Europa droht zu zerfallen. Eine großartige Idee fällt einem stockenden und sich nicht weiter entwickelnden menschlichem Bewusstsein zum Opfer. Eine Idee, die noch viele Fehler hat. Das sei dazu gesagt. Allen voran natürlich die viel kritisierte Bürokratie, sowie die Trägheit. Aber es steckt ein Kern in der Idee, der bisher unereicht und absolut fortschrittlich ist: Nämlich die Abwendung (bzw. Überwindung) von Nationalstaatlichkeit zu einem postnationalem Bewusstsein.
Würden wir uns ein bisschen mehr von diesem Kern anschauen und unsere Landesgrenzen und was sich darin befindet erstmal vielleicht nur an die zweite Stelle setzen, würden wir auch mehr Vorteile erkennen.
Denn wahrhaft tragisch ist, dass wir 50 fortschrittliche Jahre hinter uns haben, momentan aber eher wieder rückwärts gehen…
Es wurde gesprochen dereinst
Die Bücher müssen glühen
Und wenn du darüber weinst
Dann soll dir die Staatsmacht blühen
Denn die Staatsmacht die kennt genau
Den Hesse, den Brecht und Kafka
Wartet nur, ihr glaubt ihr seid schlau
Doch die Staatsmacht, ja die ist nah
So sollt ihr denn fröhlich brennen
Die Bücher, so werft sie hinauf
Die Autoren zu nennen
Verräter! nehmt den Tod in kauf
Schlagend und zischende Flammen
Ein Berg, gleich dem Himalaya
Wärmt euch die Herzen, die klammen
Ruhm, Ehre und Freiheit sind nah
Befreit die Herzen die klammen
Und füllt sie mit eisernem Mut
Alles verderbende Flammen
Die Glut, glaubt mir, die tut euch gut
So sprach dereinst ein kleiner Mann
Mit zackigen, stechenden Schritt
Und neben dem Kreuze den Kamm
Zu formen den pomadigen Schnitt
Auch der Schnurrbart saß immer korrekt
Kein Haar stand krumm, gar ungenau
Kein Haar das hätte geneckt
Ein gut patriotischer Bau
Es lauschten also die Massen
Der patriotischen Sau
Den Jud, den müssen wir schassen
Die Pomade, glaubt mir, macht schlau
Es lauschten also die Massen
Dem hässlich spuckenden Mund
Und fandens für gut zu hassen
Sie folgten der schwallenden Kund
Es glühten also die Berge
Und Hesse und Brecht und Kafka
fielen zum Opfer dem Zwerge
irgendwo im Himalaya
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